Sozialprojekt

 

Hier finden Sie alle wichtigen Informationen zu dem Sozialprojekt unserer Realschule, dem sich seit vielen Jahren unsere Schüler engagiert widmen.

 


Street Kids Nakuru


Koerner

Überblick

„Es gibt viel zu tun, wann kommst du?“ Dieser Satz von Pater Daniel Kiriti gab für Frau Fiedler, Lehrerin an der Realschule Geretsried, den Ausschlag, sich für Straßenkinder in Nakuru/ Kenia zu engagieren. Das Schulprojekt begann mit Basaren anlässlich verschiedener Veranstaltungen wie Elternsprechtag, Weihnachtsfeier, Sommerfest etc. Bald entstand die Idee, begleitet von Frau Venus-Michel, die Schulgemeinschaft stärker in dieses Projekt einzubinden, um einerseits die finanzielle Hilfe auf ein breiteres Fundament zu stellen und andererseits die Schüler für die existentielle Not anderer Kinder zu sensibilisieren und damit zugleich das Gefühl für soziale Verantwortung zu stärken.

Der „Afrikatag“ im Herbst 2005 war schließlich der Startschuss für ein Sozialprojekt nicht vorhersehbaren Ausmaßes.
Bei dieser Großveranstaltung mit mehr als 2500 Besuchern und einem Reinerlös von über 40.000 Euro legten Schüler, Lehrer und Eltern bei einem Sponsorenlauf zusammen eine Strecke bis weit in den afrikanischen Kontinent hinein zurück.
Bei einem zweiten Aktionstag erlief die Schulfamilie die noch fehlende Wegstrecke bis nach Nakuru. Im Anschluss daran wurde das Projekt durch die Einrichtung von Klassenpatenschaften erweitert. Seit Beginn des Schuljahres 2011/12 läuft der Aufbau der Schülerfirma KIPEPEO, die seit März 2012 ein eigenes Verkaufsgebäude im Eingangsbereich unserer Schule bezogen hat. Der Erlös der Schülerfirma kommt neben anderen aktuellen Belangen auch den Straßenkindern in Nakuru zu Gute.


Was wir in Nakuru erreicht haben

Im Jahr 1995 fand Frau Fiedler mitten in den Slums von Nakuru eine ärmliche, halb verfallene Schulbarackevor, in der drei angehende Franziska-nerbrüder versuchten, schulpflichtige Kinder von der Straße zu holen, sie zu betreuen und auf das öffentliche Schulsystem vorzubereiten. Oft kamen die Kinder nur mit, weil ihnen eine warme Mahlzeit angeboten wurde, die sie zuhause nicht bekamen. Obwohl diese nur aus Mais und Bohnen bestand, reichte auch dafür das Geld häufig nicht aus. Bücher fehlten komplett, die Kinder hatten jeweils nur einen einzigen Bleistift, den sie selbst noch als Stummel verwendeten und ein Heft, welches ausradiert wurde, sobald es vollgeschrieben war. Gekocht wurde in einer baufälligen Lehmhütte, die bei jedem Regen noch mehr in sich zusammen fiel.


alteKueche

Die alte…

neueKueche

und die neue Küche von innen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Mit den Einnahmen aus den Basaren in Bayern wurden die tägliche Mahlzeit, ein Wassertank, ein Solarofen, Bücher sowie einige Tische und Stühle finanziert. Außerdem konnte das Grundstück mit einem einfachen Lattenzaun notdürftig gesichert werden. Die bei einem Besuch in Deutschland von Pater Kiriti geäußerte Bitte „ wir brauchen eine neue Küche, könnt ihr uns helfen?“, bewog Frau Venus-Michel, nach Absprache mit dem Direktor Peter Halke, einen ersten Afrikatag an der Schule zu organisieren. Mit dessen Erlös wurde ein Mehrzweckgebäude errichtet, das die Küche und einen Gemeinschaftsraum beherbergt, der nicht nur für Mahlzeiten, sondern auch als Klassenzimmer genutzt wird. Zudem konnten einfache „Plumpsklos“ errichtet und der Lattenzaun durch eine Mauer ersetzt werden.

Schule

Frederik mit Schülern im Neubau

Inzwischen arbeiten zwei Sozialarbeiterinnen, eine Kindergärtnerin und Frederik, ein Lehramtsstudent, der früher selbst in dieser Einrichtung aufgefangen wurde, mit den Kindern, unterstützt durch eine Köchin. Ein Nachtwächter sorgt für die Sicherheit des Gebäudes. Die Mahlzeiten werden durch Obst mehrmals in der Woche bereichert.

Viele „unserer“ Kinder haben den Sprung in die Primary School und teilweise sogar in die Secondary School geschafft. Frederik ist einer von ihnen. Er konnte sich sogar für ein Studium qualifizieren, welches von uns finanziert wird.


Was wir in Geretsried erreicht haben

  • Um die finanziellen Angelegenheiten auf gesicherten Boden zu stellen und die oben genannten Aktivitäten mit Rat und Tat zu begleiten, wurde von Lehrern unserer Schule der gemeinnützige Verein „Straßenkinder Nakuru e. V.“ gegründet. Zu den Mitgliedern gehören auch Schüler, Eltern und der Projektidee nahestehende Personen.
  • Zur Steigerung der Wirksamkeit unserer Aktionen kooperieren wir auch mit anderen Schulen (Mittelschule Parsberg und Realschule Wolfratshausen).
  • Für den ersten „Afrikatag“ organisierten wir im Vorfeld Sachspenden vom Einzelhandel und von Firmen für unsere Tombola. Die über 600 Läufer – hauptsächlich Schüler – suchten sich selbstständig Sponsoren aus der Familie, dem Freundes- und Bekanntenkreis und Unternehmen aus dem Umfeld für ihren Lauf. Einige Klassen kochten afrikanisches Essen in der Schulküche.
    Am Projekttag arbeiteten Schüler für die Tombola (Losverkauf, Gewinnausgabe),verkauften kenianische Halsketten und afrikanisches Essen. Der Elternbeirat verkaufte mehr als 205 Kuchen (von Eltern und
    Schülern gespendet). Vom Verein „Freunde Djibos Gelting“ zeigten Schwarzafrikanerinnen zusammen mit Zehntklässlerinnen eine Modenschau: Nicht nur kenianische Kleider konnten bewundert werden sondern auch deren Bedeutung wurde erklärt. Die Afrikanerinnen betreuten ebenso einen Stand, an dem man sich bunte Zöpfe ins Haar einflechten lassen konnte.


  • Startschuss

    Schulrektor, Schüler und Eltern mit dabei

    Zentraler Punkt der Veranstaltung war der gesponserte Lauf, bei dem die Schüler gemeinsam mit Lehrern, Eltern und anderen Externen Runde um Runde gemeinsam heftigst schwitzten.

Die von allen Teilnehmern insgesamt gelaufene Strecke wurde berechnet und auf der Landkarte auf die Entfernung Geretsried – Nakuru übertragen. Die erlaufene Strecke reichte weit in den afrikanischen Kontinent hinein.


  • gespraech

    Christian mit Pater Kiriti im Gespräch

    Ein ehemaliger Schüler der Realschule Geretsried arbeitete – auf Anregung unseres damaligen Schulleiters – im Rahmen seiner persönlichen Berufsfindungsphase nach seinem Schulabschluss drei Monate lang in der Slumschule als „assistant teacher“. Dabei wohnte er bei einer kenianischen Familie, tauchte tief in die dortige Kultur ein und erlebte am eigenen Körper z. B. den Wert von Wasser oder die Bedeutung der englischen Sprache. Nach seiner Rückkehr konnte er unseren Schülern immer wieder sehr authentisch die Wichtigkeit ihrer Hilfe für das Straßenkinderprojekt vermitteln.

  • Der damalige Konrektor unserer Schule besuchte bei einer Privatreise das Straßenkinderprojekt.

  • Spielgeraete

    Erprobung der Spielgeräte aus Deutschland

    Frau Dr. Seemann, 1. Vorsitzende des „Straßenkinder Nakuru e.V.“, Schülermutter, Lehrerin und Ärztin, hielt vor den Schülern und Schülereltern Vorträge über ihren Besuch in der Straßenkinderschule in Nakuru. Sie illustrierte mit vielen selbst aufgenommen Fotos ihre Eindrücke vor Ort und beeindruckte die Anwesenden tief. So verstärkte sich bei vielen unserer Schüler der Wunsch, den Kindern in Nakuru helfen zu wollen.


  • Für den zweiten „Afrikatag“ stellten die 5. bis 7. Klassen an einem vorangestellten Projekttag kunstvoll gestaltete Kochbücher mit afrikanischen Rezepten sowie Lesezeichen afrikanischen Ohrschmuck und Perlenarmbänder für den Verkauf her, hierbei halfen teilweise auch Externe. Außerdem bauten Neunt- und Zehntklässler alte Schultische zu Marktständen um. Schüler und Lehrer suchten sich wieder selbstständig Sponsoren für den Lauf. Herr Grundmann töpferte und brannte mehr als 100 Haferl, die die Schüler im Kunstunterricht neben Plakaten für die Dekoration mit landestypischen Mustern unter Anleitung von Frau Hörl bemalten. Im Hauswirtschaftsunterricht kochten Schüler zusammen mit Frau Neuerburg die afrikanischen Gerichte der Kochbücher und im Erdkundeunterricht erstellten sie ein Quiz passend zum Thema. Der Kreisjugendring stellte Sport- und Spielgeräte zur Verfügung. Am Vortag dekorierten Lehrer und Schüler gemeinsam die gesamte Schule sowie die Marktstände mit Schilf und afrikanischen Bildern. Am „Afrikatag“ selbst bewunderten Schüler und Gäste das exotische Aussehen der Schule. Der Elternbeirat organisierte ein riesiges Kuchenbuffet. Den ganzen Tag über war wieder ein ganz besonderer Geist von Freude, Zusammengehörigkeit und Hilfsbereitschaft zu spüren. Die gelaufenen Runden wurden sofort umgerechnet und mittels Beamer in der Aula auf einer Afrikakarte als rote Linie von Geretsried in Richtung Nakuru dargestellt. Die Stimmung fand ihren Höhepunkt als gegen Ende des Laufes fast alle Gäste in der Aula standen und gebannt auf die Karte schauten: Nur noch wenige Kilometer bis Nakuru! Trotz großer Ermüdung rafften sich unerwartet viele Schüler nochmals zum Laufen auf und als die rote Linie Nakuru erreichte, brach ein gewaltiger Jubel aus. Das waren beeindruckende Momente, in denen sich Schüler, Lehrer und Gäste als Teil eines Ganzen erlebten. Diese gute Stimmung hielt noch viele Wochen an.
    Den Abschluss des Tages gestalteten ehemalige Realschüler mit einem Benefizkonzert, das besonders bei den Schülern besten Anklang fand.

  • Patenkind

    Ein Patenkind

    Für die langfristige Sicherung der Straßenkinderschule entstand die Idee der Klassenpatenschaften. Dabei sucht sich jede unserer Klassen einen afrikanischen Schüler als Patenkind aus und übernimmt mit ca. 200 Euro pro Jahr die kompletten Kosten seiner Unterbringung, Ausbildung und Ernährung. Dazu bedurfte es zunächst einer demokratischen Abstimmung im Lehrerkollegium. Nachdem sich die Lehrer fast einstimmig für die Patenschaften entschieden hatten, stellten die Klassleiter ihrer jeweiligen Klasse die Idee vor. Auch hier wurde nun gewählt, ob die Klasse eine Patenschaft übernehmen will – bis auf eine Klasse stimmten alle dafür! Nachdem das Geld nicht durch „Handaufhalten bei den Eltern“, sondern richtige Aktionen verdient oder gesammelt werden soll, überlegte jede Klasse, wie sie das Geld – pro Schüler etwa einen Euro pro Monat – aufbringen würde. So entstanden Ideen wie Schneeschippen, Gartenarbeit oder Einkaufen für Nachbarn oder Familienangehörige, Nachhilfeunterricht für Bekannte, Bußgelder für vergessene Hausaufgaben oder Fehlverhalten, Kuchenbacken für Lehrer oder andere Schüler. Nun suchten sich die Klassen einen kenianischen Schüler anhand von Fotos und kleinen Steckbriefen aus. Die Briefe von den Patenkindern wurden jeweils im Englischunterricht übersetzt, auf Englisch beantwortet und zusätzlich in Klassleiterstunden oder im Kunstunterricht mit Bildern und Fotos gestaltet.


Besser kann soziale Verantwortung nicht eingeübt werden.